Verfasst von: zeitfragen | 9. Dezember 2012

Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten

Wiederkunft Christi und Gericht Gottes werden in diesem Teil des Glaubensbekenntnisses behandelt: Wann wird das sein? Was wird wirklich passieren? Wohin wird das führen? Wer trägt die Verantwortung?

Der unbestimmte Zeitpunkt
Das Glaubensbekenntnis richtet mit diesem Satz den Blick von vergangenen Ereignissen wie der Menschwerdung und der Auferstehung auf die Zukunft hin: Wann wird das alles eintreffen? Wir wissen es nicht, denn die Stunde für das allgemeine Gericht weiß niemand, nicht einmal der Sohn, nur der Vater (vgl. Mk 13,32). Dieses Nichtwissen vertrauensvoll auszuhalten, unterscheidet Christen von Weltuntergangspropheten. Die Stunde weiß niemand – daher kann sie genauso gut in der nächsten Stunde wie in neun Milliarden Jahren kommen. Für unser persönliches Gericht ist die Stunde unseres Todes entscheidend, für die wir im „Ave Maria“ beten, denn im Tod begegnen wir Christus, der auferstanden, in den Himmel aufgefahren und zur Rechten des Vaters sitzt. Unsere Lebensführung sollte daher nicht durch den Zeitpunkt beeinflusst werden. Allein die Tatsache, dass wir für unser Leben vor Gott Rechenschaft ablegen werden, macht uns wachsam und steigert unser Bemühen, ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden (vgl. 2 Petr 3,14).

Das Entgegenkommen Christi
Wörtlich verstanden geht es um die Wiederkunft, lateinisch adventus. War der erste Advent Christi durch seine Niedrigkeit im Stall von Betlehem gekennzeichnet, ist diese zweite Wiederkunft von der Herrlichkeit Christi geprägt. War die erste irdisch, wird die zweite himmlisch sein – der Himmel auf Erden, oder anders ausgedrückt: ein neuer Himmel und eine neue Erde (vgl. Offb 21,1). Der Himmel bezeichnet die Wirklichkeit, zu der der menschgewordene Sohn Gottes zurückgekehrt ist, unsere wahre Heimat. Christus kommt uns „von dort“ entgegen, um uns in unser himmlisches Vaterland zu führen. Das Entgegenkommen Christi ist nicht nur örtlich zu verstehen. Wie der barmherzige Vater dem verlorenen Sohn entgegenläuft, so kommt Christus auch jedem einzelnen von uns entgegen.

Auf dem Weg zum Himmel
Mit der Wiederkunft Christi ist nicht nur die irdische Gestalt Jesu gemeint, sondern die ganze unvorstellbar umfassende Wirklichkeit des Reiches Gottes, das in der Kirche als Mysterium schon jetzt erfahrbar ist. Darf ich Ihnen etwas vorschlagen: Meditieren Sie eine Stunde lang im Gebet über den Himmel und fragen Sie sich: Wie sehr möchte ich dorthin kommen? Ich glaube, dass die Sehnsucht nach der vollkommenen Freude Ihr Leben neu ausrichten kann und Ihnen das Gericht Gottes verständlich macht: Gott will ja auch das Heil aller Menschen (vgl. 1 Tim 2,4), aber wie steht es um uns: Woran war in unseren letzten 24 Stunden merkbar, dass wir gewillt sind, in den Himmel zu kommen? Die Frage soll uns ermutigen, Tag für Tag unsere entschiedenen Schritte in Richtung Himmel zu setzen, aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir den Himmel nicht aus eigener Kraft erreichen können, sondern nur mit der Hilfe Christi.

Der rettende Richter
Sich Christus wirklich als Richter vorzustellen, fällt nicht so leicht: „Kann der barmherzige Gott nicht ein Auge zudrücken?“, flüstert uns der Zeitgeist zu. Das hat seinen wahren Kern, denn Christus ist wirklich der barmherzige Retter: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,17). Das Gericht ist eine Konsequenz unserer Sünde, in diesem Fall der Ablehnung Christi: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat“ (Joh 3,18). Wer sich nicht von Christus retten lässt, kann nicht gerettet werden, weil es nur diesen einen Retter gibt.
Das Richten Gottes ist nicht nur juristisch zu verstehen, sondern auch im Sinne des Installateurs: Gott richtet, er stellt das, was durch die Sünde kaputt gegangen ist, wieder her: Christus richtet die Welt! Das funktioniert nicht mit Augenzudrücken, sondern erfordert Anstrengung und Opfer, von Christus sogar das Kreuzesopfer. Müssen wir uns daher vor dem Gericht Gottes fürchten? Psalm 149 sagt: Herrlich ist das Gericht für all seine Frommen! Wie kann man sich darüber freuen, mehr oder weniger stark verurteilt zu werden? Gott verurteilt die Sünde, aber liebt den Sünder, der seine Sünde bereut: „Wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles“ (1 Joh 3,20). Daher können wir uns über das Gericht freuen, weil wir von aller Sünde befreit werden – und mit uns die ganze Welt. Das Gericht ist Hoffnung für die unschuldigen Opfer und Erlösung von der Macht des Bösen, somit ein Tag der Freude.

(Mein Beitrag zu Radio Maria Österreichs: Credo. Im Licht des Glaubens unterwegs, 2012, S.98ff.)

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